Schwäbische Zeitung

5. Feb 2007
Volles Haus bei Fauzia Maria Beg im Jazzkeller In Ellingtons "Caravan" um die ganze Welt New York, Rio und Bombay umreißen das magische Dreieck in dem sich die musikalischen Wurzeln der in Stuttgart lebenden, gebürtigen Inderin Fauzia Maria Beg lokalisieren lassen. Vor einer eindrucksvollen Publikumskulisse mit zahlreichen begeisterten Fans der faszinierenden Sängerin überreichte ihr Quartett am Freitagabend einen bunten Strauss an selbst arrangierten oder komponierten musikalischen Einfällen. Die große Bandbreite an gestalterischen Ideen, die technische Perfektion ihrer Umsetzung, die Kreativität der eingestreuten Improvisationen und vor allem der unglaubliche Groove, der einen das in der Quartett-Besetzung ausgesparte Schlagzeug nicht wirklich vermissen ließ, zeugten von hoher Professionalität. Die klangliche Transparenz der Besetzung ermöglichte eine fast schon kammermusikalische Verdichtung der musikalischen Strukturen bei gleichzeitig höchster Eigenständigkeit der Partner. Auf einem souveränen Fundament von Kontrabassist Thomas Krisch, der durch vielfältige Spieltechniken, teilweise auch unter Einsatz des Bogens sowie virtuoser Beherrschung von Flageoletttönen glänzte, bauten der professorale Martin Schrack am Steinwayflügel und der famose Ex-Biberacher Jochen Feucht an Sopran- und Tenorsaxophon sowie Querflöte ihre fantasievollen musikalischen Traumpaläste, denen Fauzia Maria Beg nicht nur die krönende exotische Komponente hinzufügte. Die indische Vollblutmusikerin schaffte es spielend, die divergierenden Elemente der vielfältigen Stilelemente und Musiker zusammen zu halten und daraus auch noch jene Spannung zu beziehen, die erst den Funken überspringen lässt. In ihren knappen, auf Deutsch und Englisch gehaltenen Moderationen, vermittelte sie einen überzeugenden Eindruck davon, was ihre Musik bedeutet und was Musik für sie bedeutet. So wurde jedem im Publikum sinnfällig, dass sie den Blues bekommen hat, als sie in einer überfüllten S-Bahn täglich zwei Stunden zur Arbeit ins Hotel Sheraton im Süden Bombays fahren und eingeklemmt zwischen stinkenden Fischverkäuferinnen und schwitzenden Marktweibern die Inspiration für eine gepflegte musikalische Unterhaltung des internationalen Hotelpublikums suchen musste. Dass daraus eine so reizvolle Mischung aus indischer Gesangstechnik, brasilianischer Rhythmik und nordamerikanischem Jazzidiom wurde, gehört zu den Glücksfällen einer globalisierten, multikulturellen Musikwelt. Bindeglied schien übrigens die Liebe zu einprägsamen Jazzmelodien etwa eines Cole Porter oder Duke Ellington, dessen „Caravan“ neben „Nature Boy“ zu einem der Höhepunkte des Konzertes wurde. Dr. Helmut Schönecker
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